Steuerliche Hinweise

Einnahmen jeglicher Form, die mit Crowdinvesting-Projekten erwirtschaftet werden, sind einkommensteuerpflichtig, da sie als Einkünfte aus Kapitalvermögen gemäß § 20 Abs.1 Nr. 7 EStG eingestuft werden.

Im Ertragsfall ist Einkommensteuer (25 %), der Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Kapitalertragsteuer) und ggf. Kirchensteuer (8 bis 9 % auf die Kapitalertragsteuer, je nach Bundesland) zu zahlen. Daraus ergibt sich eine Gesamtbelastung von 26,375 Prozent, für den Fall der Kirchensteuerpflicht in der Regel 28-29%. Bei jährlichen Zinseinnahmen in Höhe von 1.000 € muss ein Anleger, der nicht Mitglied einer steuerpflichtigen Religionsgemeinschaft ist, zum Beispiel mit einer Steuerlast von 263,75 € rechnen. Häufig wurde vom Emittenten bzw. von der Plattform die Kapitalertragsteuer auf Rechnung des Anlegers an das Finanzamt abgeführt und der Anleger hat eine Steuerbescheinigung erhalten, wie dies bspw. bei der GLS Crowd in der Regel der Fall ist. Ab dem Jahr 2021 ist dies für alle Formen des Crowdinvesting gesetzlich verpflichtend, zuvor wurde sowohl aus Gründen der Rechtsicherheit als auch aus Vereinfachungs- und Komfortgründen die Kapitalertragsteuer bereits regelmäßig an das Finanzamt abgeführt.

Für den privaten Anleger besteht keine Pflicht zur Angabe in der Steuererklärung, sofern durch den Emittenten oder die Plattform, wie es bei der GLS Crowd in der Regel der Fall ist, Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und ggfs. Kirchensteuer einbehalten wurde, es ist jedoch eine Angabe in der Einkommensteuer zu empfehlen. Dies wird geraten sollte bspw. der Sparerpauschbetrag über 1.602,00 Euro nicht ausgeschöpft sein oder andere Gründe bestehen, dass die einbehaltenen Steuern erstattet werden könnten (Verluste, zu geringes Einkommen und Anwendung der Günstigerprüfung, etc.).

Zu empfehlen ist die Angabe sämtlicher Kapitalerträge und Verluste. Dabei sind folgende Dinge zu beachten:

Jahre bis 2019
Für Jahre bis 2019 hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass Darlehensverluste aus Crowdinvesting steuerlich mit anderen Kapitaleinkünften geltend gemacht werden können. Das Finanzamt lehnt dies für Jahre bis 2019 ab. Hier sollten Anleger auf das Urteil des Bundesfinanzhof vom 24.10.2017 verweisen und eine Verlustberücksichtigung beantragen. Mit Bekanntmachung der Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder einer Liquidation des Emittenten sollten Sie Ihre Verluste beim Finanzamt geltend machen. Dazu sollten Sie die folgenden Informationen im Rahmen ihrer Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt einreichen:

• Kopie des Darlehensvertrags mit Angabe der Investitionshöhe (erhältlich im geschützten Bereich nach dem Login)
• Zahlungsnachweis (z.B. Kontoauszug) als Bestätigung der geleisteten Investition
• Bestätigung über die Eröffnung des - nicht vorläufigen - Insolvenzverfahrens (z.B. durch Abfrage auf www.insolvenzbekanntmachungen.de/, dort: Detailsuche) oder im Falle der bereits erfolgten Liquidation den betreffenden Eintrag aus dem Handelsregister.
• Evtl. BFH-Urteil (Bundesfinanzhof vom 24.10.2017)

Jahre ab 2020
Für Jahre ab 2020 gibt es eine Gesetzesneuerung. Ab dem 01. Januar 2020 wurde gesetzlich geregelt, dass die Verrechnung von Verlusten mit anderen Kapitaleinkünften aus der
  • ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung,
  • der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter,
  • aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter oder
  • aus einem sonstigen Ausfall von Wirtschaftsgütern
nur in Höhe von 10.000 Euro erfolgen darf. Darüber hinaus entstandene Verluste können vorgetragen werden und in jedem Jahr mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen im Umfang bis 10.000 Euro verrechnet werden. Auch sollten Anleger beachten, dass die Verluste beim Kapitalertragsteuerabzug nicht berücksichtigt werden, da die Verlustberücksichtigungsregelung bei der Kapitalertragsteuer keine Anwendung findet und es daher sein kann, dass Kapitalertragsteuer aus einem Investment abgeführt wurde, obwohl zum Jahresende ein Ausfall und damit ein Verlust entstanden ist.
Diese Neuregelungen werden von einigen Experten bereits als verfassungswidrig beurteilt, jedoch gibt es dazu aufgrund der erst zu Beginn des Jahres erfolgten Gesetzesänderung noch keine Entscheidung durch die zuständigen Gerichte.

Diese Informationen stellen keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Wenden Sie sich bitte bei Fragen zu steuerlichen Themen an Ihren Steuerberater oder an das zuständige Finanzamt.

Stand der Informationen: März 2020

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