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Zwei Jahre GLS Crowd


veröffentlicht am 17.04.2019 von GLS Crowd Team


Zwei Jahre ist es her, dass die erste Crowdinvesting-Kampagne der GLS Crowd an den Emittenten ausgezahlt wurde. Inzwischen konnten 16 Projekte erfolgreich platziert werden, darunter 12 Unternehmensfinanzierungen, drei Projektfinanzierungen und eine Vermögensanlage mit Prospekt. So wurden insgesamt über 10,5 Mio. Euro vermittelt, bei einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von 2.385,87 Euro pro Crowdinvestor*in. Die meisten Kunden*innen nutzen die Chance, sich ein persönliches Anlage-Portfolio aufzubauen und investieren mehrfach.

Hinter der GLS Crowd steht die Kooperation zwischen der GLS Bank und dem Frankfurter StartUp CrowdDesk GmbH. Im folgenden Interview kommen Axel Schmidt, Leiter des Crowdinvesting-Teams bei der GLS Bank und Elina Magida, Plattformmanagerin bei CrowdDesk zu Wort:

Herr Schmidt, Sie waren einer der Initiatoren der GLS Crowd in der GLS Bank. Welche Rolle übernimmt die GLS Bank?

Axel Schmidt: Mein Team in der GLS Bank übernimmt die Aufgabe, geeignete Unternehmen und Projekte zu finden und auszuwählen und sie schließlich der GLS Crowdfunding GmbH zur Online-Vermittlung vorzuschlagen. Diese Vermittlergesellschaft wird von CrowdDesk betrieben, einem Frankfurter StartUp, welches sich auf das Prozessdesign und den Betrieb solcher Plattformen spezialisiert hat.

Welche weiteren Aufgaben liegen auf Ihrer Seite bei CrowdDesk?

Elina Magida: Neben der eigentlichen Kernaufgabe, die GLS Crowd Plattform zu betreiben und dort die Vermittlung der Vermögensanlagen zu verantworten, übernehmen wir in Frankfurt auch den gesamten Anlegerservice. Damit ermöglichen wir der GLS Bank, sich auf Ihre Kernkompetenzen zu fokussieren.

Wie blicken Sie auf zwei Jahre Crowd zurück?

Axel Schmidt: In den letzten zwei Jahren haben wir eine Reihe unterschiedlicher und spannender Unternehmen kennengelernt, von Produzenten von Recycling-Gummimatten bis hin zu Stottertherapeuten. Die Vielfalt der unterschiedlichen Vorhaben ist erstaunlich. Alle haben gemeinsam, dass sie bestimmte ökologische bzw. nachhaltige Fragestellungen nach vorne bringen möchten. Das macht Mut für Morgen. Besonders schön ist es zu sehen, wenn sich die Projekte positiv entwickeln.

Was haben Sie in den zwei Jahren GLS Crowd gelernt?

Elina Magida: Die Investor*innen der GLS Crowd bewerten ihre Investition nicht nur nach rein wirtschaftlichen Aspekten, sie wollen damit auch gesellschaftlich sinnvolle Themen bewegen. Sinn und der mögliche Gewinn gehen hier Hand in Hand. Das merken wir in den Nachfragen, die meist inhaltlicher Natur sind ebenso wie an den Reaktionen, wenn es bei einem Unternehmen nicht ganz nach Plan läuft.

Was tun Sie, wenn sich ein Unternehmen, das sich über die GLS Crowd finanziert hat, nicht wie geplant entwickelt?

Elina Magida: Zunächst setzen wir auf eine klare Kommunikation. In den halbjährlichen Reportings sollen die finanzierten Unternehmen darlegen, wie sie sich in der vergangenen Periode entwickelt haben. Ist ein Unternehmen nicht in der Lage, Zins- oder Tilgung zu leisten, soll es dies schriftlich gegenüber den Investor*innen darlegen und erläutern, wie Abhilfe geschaffen werden soll.

Wie entwickeln sich die finanzierten Unternehmen?

Elina Magida: Nach dieser Zeit ist kein abschließendes Urteil möglich, wir sehen sehr erfreuliche Entwicklungen wie auch deutliche Abweichungen zum ursprünglichen Finanzplan, dies ist aber nicht unüblich bei jungen Unternehmen. Zwei Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Sofern die Investoren hier einen Totalverlust erleiden, sprechen wir hier von einem Ausfall von 1,25 Millionen Euro oder ca. 11% des insgesamt vermittelten Volumens. Wie die Verfahren letztendlich ausgehen, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Die Chancen, im Insolvenzfall als nachrangiger Gläubiger noch bedient zu werden, sind allerdings sehr gering.  

Axel Schmidt: Bei Crowdfinanzierungen besteht immer das Risiko des Totalverlustes. Allerdings sollten die Anleger*innen sich hier genau anschauen, was finanziert wird. Ein Windpark hat ein anderes Risikoprofil als ein junges Wachstumsunternehmen. Daher sind wir ständig auf der Suche nach unterschiedlichen Finanzierungsvorhaben mit dem Ziel, dass sich die Crowdinvestoren ein gut diversifiziertes Portfolio zusammenstellen können.

Sie spielen auf die Unterschiede von Unternehmens- und Projektfinanzierungen an?

Axel Schmidt: Genau. Klassische Projektfinanzierungen finden im Bereich der Erneuerbaren Energien und bei Immobilien-Projekten Anwendung. Hier wird eine sogenannte Zweckgesellschaft gegründet, die beispielsweise lediglich den Solarpark oder das Gebäude errichten und ggf. betreiben soll. Weiteres Geschäft findet innerhalb der Gesellschaft typischerweise nicht statt. Daher sind die Risiken hier besser eingrenzbar. Bei Unternehmensfinanzierungen sieht das anders aus: Hier geht es um die Etablierung einer neuartigen Technologie oder eines neuen Produktes. Oftmals sind diese Vorhaben mit der Annahme eines starken Umsatzwachstums verbunden, welches dann auch eintreten muss, um den geplanten Erfolg realisieren zu können. Die Risiken sind hier vielfältiger, was sich dann wiederum in einer im Bezug zur Laufzeit höheren Verzinsung wiederspiegelt.

Was sind die nächsten Schritte für die GLS Crowd?

Axel Schmidt: Gemeinsam arbeiten wir an der Entwicklung neuer Finanzierungsmöglichkeiten, die in ihrer Ausgestaltung noch vielfältiger sein sollen. Dies ist für die Investor*innen interessant, da sie dadurch ihr Portfolio noch breiter aufstellen können, wie auch insbesondere für die Unternehmen, die eine Finanzierung benötigen. Weiteres dazu in Kürze.

Das Interview führte Jamal El Mallouki, Vorstand im Bundesverband Crowdfunding e.V.

 
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