Investieren nachhaltig: ETF als zukunftsfähige Anlage?

Indexfonds liegen stark im Trend. Privatanleger*innen wünschen sich diese zunehmend nachhaltig. ETF – Exchange Traded Fund – mit grüner Anlagestrategie ist für viele das Finanzprodukt der Stunde. Aber was sind Vorteile und die Nachteile gegenüber aktiv gemanagten Fonds? Was verbirgt sich hinter „SRI“, „ESG“ und „low carbon“? Und wie lassen sich bei Aktieninvestments Impact und Rendite vereinen? Lukas Adamski betreut bei der GLS Bank seit 2019 institutionelle Kunden. Im Interview mit der GLS Crowd erklärt er, was Privatanleger*innen wissen sollten, bevor sie in nachhaltige ETFs investieren.

Lukas Adamski ist Experte für Institutionelle Anleger bei der GLS Bank
Lukas Adamski ist Experte für Institutionelle Anleger bei der GLS Bank

Börsengehandelt und passiv gemanagt

ETFs – Exchange Traded Funds – sind Aktienfonds, die über die Börse gehandelt werden. Im Gegensatz zu klassischen Fonds, die man direkt über den Primärmarkt bei der emittierenden Investmentgesellschaft kauft, werden ETFs auf dem Sekundärmarkt veräußert. ETFs sind in der Regel passive Investmentprodukte. Sie werden nicht aktiv gemanagt, sondern reflektieren einen bestimmten Index. Lukas Adamski erklärt ihr Prinzip so: „Wer einen ETF kauft, investiert nicht in ein einzelnes Unternehmen, sondern gleich in den ganzen Korb an Wertpapieren in einem Index.“ Die Kriterien für die Wahl der Titel, die aufgenommen werden, sind vorab definiert. „Das können ökonomische Kriterien wie die Marktkapitalisierung sein – zum Beispiel bei DAX-ETFs –, aber auch sozial-ökologische Merkmale. Oft spiegeln ETFs bereits bestehende Indices wider. Gerade im Bereich der nachhaltigen Investments werden diese Indices dann durch zusätzliche Kriterien ergänzt.

Breit diversifiziert und voll im Kurs

Über einen ETF kann man wie über einen aktiv gemanagten Fonds sehr einfach sehr breit gestreut in Aktien investieren. „MSCI World ETFs, zum Beispiel, bilden die Wertentwicklung von mehr als 1.600 Unternehmen aus 23 Ländern ab.“ Der Vorteil von Indexfonds seien die geringeren Kosten. „Ein ETF braucht keinen Portfoliomanager, der entscheidet, in welche Werte investiert wird. Auch die Transaktionskosten fallen deutlich niedriger aus, weil seltener umgeschichtet wird.“ Der Nachteil: Weil der ETF an den Index gebunden sei, könne er weniger auf Marktveränderungen reagieren. Die Kursentwicklungen nehme er voll mit – die negativen, aber auch die positiven. Letztere würden sich in den Gewinnen niederschlagen: „Gerade im derzeitigen Niedrigzinsumfeld gibt es für renditeorientierte Anleger*innen keine Alternative zu Aktien. Das liegt am Prinzip der Kapitalmärkte: Wenn man über Aktien in Eigenkapital investiert – egal ob über einen ETF oder einen aktiv gemanagten Fonds – ist das ist mit einem höheren Risiko verbunden. Das wird mit einer höheren Rendite belohnt.“ Ein gutes Beispiel sei der aktiv gemanagte GLS Aktienfonds. Der habe in den letzten drei Jahren eine Wertentwicklung von 45 Prozent erlebt.

Nachhaltig? ETF? SRI, ESG und Low Carbon

Nachhaltige Anlagen liegen im Trend – nachhaltige ETFs einmal mehr. Wenn man sich an Bezeichnungen wie SRI, ESG oder low carbon orientiert, findet man jede Menge Indexfonds mit grünem Anstrich. Lukas Adamski erklärt, wofür die Label stehen: „ETFs, die sich als ‚SRI‘ oder ‚Socially Responsible Investments‘ bezeichnen, verwenden häufig Ausschlusskriterien. Kontroverse Branchen wie die Rüstungsindustrie oder Atomenergie oder kontroverses Geschäftsverhalten – die Verletzung von Arbeits- oder Menschenrechten – werden in diesen Fonds ausgeschlossen.“ Bei Fonds, die die sogenannten „ESG-Kriterien“ ansetzen, schaue man besonders auf Umweltmanagement, Sozialverhalten und Unternehmensführung. „In allen drei Bereichen werden unterschiedliche Indikatoren analysiert. Daraus wird ein Score für das entsprechende Unternehmen ermittelt. Gemäß „Best-in-Class-Ansatz“ wird dann in die Unternehmen investiert, die die beste Bewertung in ihrer Branche haben. ‚Low Carbon ETFs‘ funktionieren meist ähnlich, nur dass beim Branchenvergleich explizit die CO2-Emissionen betrachtet werden.“

Viele Versprechen, keine Kontrolle

Ob SRI, ESG oder Low Carbon: Alle erheben den Anspruch, für Nachhaltigkeit zu stehen. Aber tun sie das wirklich? Eine eindeutige Antwort gäbe es da nicht, sagt Lukas Adamski. „Jede Anlagestrategie hat ihre Stärken und Schwächen. Viele ETFs kombinieren Ausschlusskriterien und Best-in-Class-Ansatz. Es gibt aber bei den Nachhaltigkeitskriterien immer Spielraum. Und letztlich wird dann doch in Unternehmen investiert, die wir ganz klar nicht als nachhaltig einstufen würden.“ Privatinvestor*innen empfiehlt der Experte daher, immer einen Blick in den Jahresbericht zu werfen. „Hier sind alle Titel aufgeführt, die im Fonds vertreten sind. Man merkt recht schnell, ob die dem eigenen Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen.“ Oder nicht: „Ein Low-Carbon-ETF, auf den ich im Rahmen meiner Recherche gestoßen bin, hat in die jeweils 50 Prozent der Unternehmen einer Branche investiert, die bei den CO2-Emissionen besser wegkamen als die anderen 50 Prozent. Weil aber alle Branchen in diesem Index vertreten waren, wurde auch in Titel wie RWE, Fraport, Audi oder Daimler investiert – Unternehmen also, die wir wahrlich nicht mit einer Low-Carbon-Wirtschaftsführung verbinden.“ Lukas Adamski sieht hier ein grundsätzliches Problem: Bei nachhaltigen Investments gäbe es viele Versprechen, aber keine Kontrolle. Zumindest noch nicht. „Das FNG-Siegel hat sich als Qualitätsstandard für nachhaltige Publikumsfonds auf dem deutschen Markt etabliert. Nachhaltige ETFs haben es aber bisher nicht geschafft, die strengen Kriterien einzuhalten.“ Die EU versuche derzeit mit ihrer neuen Taxonomie zu definieren, was als ökologisch nachhaltig einzustufen ist.

Nachhaltig klingt gut, Transparenz ist besser

Bis dahin sollten werteorientierte Investor*innen eher zu nachhaltigen Investmentfonds greifen. Anders als bei ETFs gibt es hier teils klare Anlagenkriterien. „Ein Instrument, das es bei ETFs nicht gibt, ist zum Beispiel ein unabhängiger Anlageausschuss. Er beleuchtet jeden Titel einzeln, um einem Interessenskonflikt zwischen Portfoliomanagement und Titelauswahl vorzubeugen.“ Die Fonds der GLS Bank hätten alle einen solchen Anlageausschuss. Das Experten-Gremium prüfe jeweils, ob ein Titel mit den Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen der GLS Gruppe vereinbar sei. Darin kämen nicht nur Ausschlusskriterien zum Einsatz. „Wir haben auch Positivkriterien festgelegt. Damit können wir insbesondere die Unternehmen fördern, die einen besonderen Beitrag für Gesellschaft und für Umwelt leisten.“ Die GLS Bank veröffentliche zudem für jeden ihrer Fonds einen Investitionsbericht: „In dem legen wir dar, warum wir in ein Unternehmen investieren oder aber warum wir uns entschieden haben, nicht mehr zu investieren. Diese Transparenz findet man bei ETFs natürlich auch nicht. Allerdings entstehen durch das aktive Management wie bereits erwähnt Kosten, die erst wieder mit rückverdient werden müssen.“

Nur nachhaltig oder mit Impact?

Eine Sache möchte Lukas Adamski zum Schluss klarstellen: Nachhaltige Kapitalanlage bedeutet nicht gleich Impact. Viele nachhaltige Fonds bezeichnen sich selbst als „Impact-Fonds“. Wirkung lasse sich auf dem Sekundärmarkt aber immer nur begrenzt erreichen: „Direkten Impact haben wir aber nur, wenn wir bei Börsengängen aktiv sind oder an Anleiheemissionen teilnehmen – und Unternehmen direkt mit unserem Geld unterstützen.“ Das GLS Portfoliomanagement versuche das in seinen Fonds umzusetzen. Anleger*innen, denen der Impact ihres Investments besonders wichtig ist, empfiehlt Lukas Adamski, sich auf der Homepage der GLS Crowd umzusehen. Diese ist der Kooperationspartner der Bank für Crowdinvestments. Dort könne man gezielt in einzelne Projekte investieren – und direkten Impact erzielen.

Vielen Dank, Herr Adamski!

Lukas Adamski betreut seit 2019 Institutionelle Anleger für die GLS Bank. Davor hat er in Münster Wirtschaft und Recht studiert. In seiner Freizeit ist Lukas ambitionierter Mountainbiker. Das Thema interessiert Sie? Hören Sie mehr darüber in dem Podcast der GLS Bank.

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