Zwei Personen arbeiten mit einem Laptop außerhalb des Gewächshauses Bild: Bild: © Land O'Lakes, Inc. | Unsplash

Ernährung: GLS Investments über wirksame Auswahlkriterien

02. Apr. 2026
Lesedauer: 5 Min.

Gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel sind ein zentrales menschliches Grundbedürfnis. Um in das GLS Anlageuniversum aufgenommen zu werden, müssen alle Unternehmen überprüfbare Kriterien erfüllen.

Doch während sich regionale Bio-Höfe in der Kreditvergabe vergleichsweise gut prüfen lassen, ist die Bewertung global agierender, börsennotierter Lebensmittelunternehmen deutlich komplexer.

 

Dieser Beitrag wurde von der GLS Crowdfunding GmbH als vertraglich gebundener Vermittler gemäß § 3 Abs.2 WpIG der Concedus GmbH für die Plattform GLS Crowd erstellt. Die GLS Crowd ist eine Plattform, die zukunftsweisende, sozial-ökologische Unternehmen und Projekte mit Menschen verbindet, die ihr Geld sinnstiftend einsetzen möchten.

Als GLS Crowd haben wir Simon Hauser, einem Experten aus dem Bereich Nachhaltigkeitsanalyse der GLS Investments, 100-prozentige Tochter der GLS Bank, gefragt, wie er mit diesen Herausforderungen umgeht und wie der strenge sozial-ökologische Auswahlprozess funktioniert.

Als GLS Investments legt ihr die GLS Fonds auf und verwaltet sie. Dabei steht ihr für einen der strengsten Auswahlprozesse der Fondsbranche mit klar definierten sozial-ökologischen Positiv- und Ausschlusskriterien. Was bedeutet das konkret für Unternehmen aus der Ernährungsbranche?

Unser Ziel ist es, die Ernährungswende zu unterstützen – hin zu einer umweltverträglichen, ressourcenschonenden und fairen Lebensmittelwirtschaft. Maßgeblich dafür sind die GLS Anlage- und Finanzierungsgrundsätze. Konkret bedeutet das: Wir bevorzugen Unternehmen, die ökologische Landwirtschaft betreiben, artgerechte Tierhaltung gewährleisten, Lebensmittel hochwertig verarbeiten oder handeln und Lebensmittelverschwendung reduzieren. Auch Lösungen, die zu einer ressourcenschonenderen Landwirtschaft beitragen, zum Beispiel digitale Bodensensorik, automatische Unkrauterkennung oder effizientere Bewässerungssysteme, bewerten wir positiv.

Was macht die Prüfung von börsennotierten Unternehmen für euch so herausfordernd?

In der Kreditvergabe kennt die GLS Bank die Betriebe häufig persönlich – Expert*innen besuchen die Höfe und können sich selbst ein umfassendes Bild machen. Bei global agierenden, börsennotierten Unternehmen ist das viel schwieriger. Ihre Lieferketten sind komplex und geografisch verteilt. Selbst wenn ein Unternehmen einzelne ökologische Standards erfüllt, bleibt oft unklar, ob entlang der gesamten Wertschöpfungskette soziale und ökologische Mindeststandards eingehalten werden.
Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen von Konzernen unter Börsendruck. Die Spannung zwischen kurzfristiger Gewinnerwartung und langfristiger Nachhaltigkeit ist groß.

Unsere Auswahl in der Ernährungsbranche ist bewusst streng. Wir prüfen Unternehmen umfassend: ökologisch, sozial und entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

© Patrick Tiedtke / GLS Investments

Unsere Auswahl in der Ernährungsbranche ist bewusst streng. Wir prüfen Unternehmen umfassend: ökologisch, sozial und entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Simon Hauser, Experte Nachhaltigkeitsanalyse der GLS Investments

© Patrick Tiedtke / GLS Investments

Wo liegen die typischen Risiken und Kritikpunkte?

Viele große Lebensmittelkonzerne sind Bestandteil globaler Lieferketten, die ökologische Risiken mit sich bringen, etwa intensiver Landbau, hoher Wasserverbrauch oder Biodiversitätsverluste. Dazu kommen soziale Problemlagen: unfaire Arbeitsbedingungen, Kinder- oder Zwangsarbeit bei Zulieferern sowie mangelnde Transparenz über Herkunft und Produktionsbedingungen.
Es kommt vor, dass Unternehmen zwar ökologisch überzeugen, aber auf der sozialen Seite schwerwiegende Kontroversen haben. Ein Beispiel ist Whole Foods Market: Das US-amerikanische Unternehmen bietet hochwertige Bio-Produkte an, war jedoch wiederholt mit Vorwürfen zu Menschenrechtsverstößen in der Shrimpproduktion konfrontiert. Aufgrund unzureichender Reaktionen haben wir das Unternehmen deshalb bereits 2016 aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen.

Wie sieht es mit positiven Beispielen aus?

Ja, die gibt es und wir freuen uns sehr, wenn wir Unternehmen finden, die unseren hohen Ansprüchen gerecht werden.
Ein Beispiel ist SunOpta, ein kanadischer Hersteller von Biolebensmitteln. Das Unternehmen hat einen hohen Bio-Anteil und reduziert kontinuierlich seine Energieintensität. Besonders positiv bewerten wir die starke eigene Lieferkette für Bio-Inhaltsstoffe.
Auch Midsona aus Schweden ist ein gutes Beispiel: Mit Marken wie Davert oder Urtekram produziert das Unternehmen pflanzliche Bio-Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel sowie Naturkosmetik – und das überwiegend in Skandinavien und Deutschland. Die regionale Wertschöpfung und der hohe Bio-Anteil passen gut zu unseren Standards.

Was ist das wichtigste Fazit?

Unsere Auswahl in der Ernährungsbranche ist bewusst streng. Wir prüfen Unternehmen umfassend: ökologisch, sozial und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wenn Kontroversen auftreten oder sich Zweifel an der Einhaltung unserer Standards ergeben, schließen wir ein Unternehmen konsequent aus. Gleichzeitig zeigen gute Beispiele wie SunOpta oder Midsona, dass nachhaltiges Wirtschaften auch im globalen Kontext möglich ist. Genau solche Unternehmen möchten wir mit unseren Fonds stärken.

Vielen Dank für das Interview.

Mehr Informationen zu den GLS Fonds auf der GLS Crowd finden Sie hier.

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