Crowd­investing: Welche Projekt­arten gibt es und welche passen zu mir?

Lesedauer: 12 Minuten

Crowdinvesting ist nicht gleich Crowdinvesting. Projekte in ganz unterschiedlichen Segmenten bieten Investor*innen eine Vielfalt an Möglichkeiten, mit ihrem Geld Neues entstehen zu lassen: innovative Unternehmen, bezahlbaren Wohnraum oder eine nachhaltige Energieversorgung. Die Investments unterscheiden sich in ihrem Inhalt stark, was Auswirkungen auf Risiko und Rendite hat. Anleger*innen sollten sich Crowdinvesting-Projekte deshalb genau ansehen, bevor sie sich entscheiden, zu investieren.

Unternehmens­finanzierung: Neue Wege über die Crowd

Crowdinvesting ist eine relativ neue, alternative Art im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Anstatt einen Bankkredit aufzunehmen, geht das Unternehmen den Weg über die Crowd, um an benötigtes Kapital zu kommen. Das Unternehmen geht diesen Schritt aus verschiedenen Gründen.

Fehlenden Sicherheiten folgen tendenziell höhere Zinsen

In einer frühen Phase der Unternehmensentwicklung können junge Unternehmen zunächst noch keine für die Banken erforderliche Sicherheiten stellen. Weil es für junge Unternehmen somit oft unmöglich ist, günstige Darlehen aufzunehmen, wenden sie sich zuerst an Risikokapitalgeber. Die investieren in das Unternehmen, indem sie Eigenkapital bereitstellen und dafür Firmenanteile erhalten. Ein nächster Schritt kann eine Finanzierung über die Crowd sein. Sicherheiten sind nicht vorhanden. Eine Entlohnung der Crowdanleger für das erhöhte Risiko erfolgt über tendenziell höher ausfallende Zinsen. Auch etablierte Unternehmen nutzen die Möglichkeit der Crowdfinanzierung, um die eigenen Kunden und Mitarbeitenden an der Einführung eines neuen Produkts oder Produktsegments teilhaben zu lassen.

Was man bei einer Unternehmensfinanzierung beachten sollte

Investoren sollten sich die Geldanlage genau anschauen, bevor sie eine Investitionsentscheidung treffen. Die Beantwortung folgender Fragen kann helfen, die Erfolgsaussichten einer Unternehmensfinanzierung zu bewerten:

  • Sind die Wachstumsprognosen für Sie glaubhaft?
  • Liegen Marktdaten vor, die die Annahmen des Unternehmens hinsichtlich der Vertriebsziele unterstützen?
  • Wie erfahren ist das Gründerteam?
  • Sind die wesentlichen Positionen wie zum Beispiel Finanzplanung/Controlling, Marketing und Entwicklung­ aus Ihrer Sicht gut besetzt?
  • Gibt es bereits andere, nicht nachrangige Darlehensgeber, die bedient werden müssen, bevor Crowdinvestoren ihr Geld zurückerhalten können?
  • Wie sieht der Finanzierungsmix insgesamt aus? Haben die Gründer im Falle des Scheiterns auch selbst erhebliche Verluste zu tragen und werden daher bis zuletzt für den Fortbestand des Unternehmens kämpfen?
  • Stellen bereits etabliertet Unternehmen aktuelle Jahresabschlüsse zur Verfügung, die einen objektiven Einblick in die finanzielle Situation gewähren?

Erneuer­bare Energie: Nach­haltige Crowd­investments

Investmentanlagen der erneuerbaren Energien sind in der Regel als Projektfinanzierung ausgestaltet. Meist handelt es sich hier um Projekte mit mehreren Projektbeteiligten. Das besondere Merkmal von Projektfinanzierungen ist die cashflow-orientierte Betrachtungsweise: Die Rückzahlung der aufgenommenen Mittel erfolgt allein aus zukünftigen Erträgen. Gerade in der Anfangsphase ist der Kapitalbedarf bei Energieanlagen hoch, unter anderem für den Grundstückskauf, für Genehmigungen und den für den Bau der Anlage. Ziel ist es, die eingebrachten Mittel mit fortschreitender Projektdauer inklusive Zinsen zurück zu verdienen.

Was Sie bei Projekten außerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beachten sollten

In Deutschland werden viele Energieprojekte meist noch mit Mitteln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gefördert. Dieses garantiert einen festen Abnahmepreis für den in der Anlage erzeugten Strom innerhalb der ersten 20 Jahre. Bei Projekten, die außerhalb des EEG realisiert werden, sollten Anleger darauf achten, dass es langfristige Abnahmeverträge – sogenannte „power purchase agreements“ oder „PPA“ – für den produzierten Strom gibt. Der Abnehmer sollte zudem über eine gute Bonität beziehungsweise ein langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell verfügen, damit das Ausfallrisiko minimiert wird. 

Was man bei Projektfinanzierungen im Bereich erneuerbare Energien beachten sollte

Um das Risiko eines Energie­investments besser einschätzen zu können, lohnt sich der Blick auf folgende Frage­stellungen:

  • Besteht ein Baurisiko? Liegen alle erforderlichen Genehmigungen vor? Gibt es Lieferverträge? Laufen Klagen gegen das Projekt?
  • Ist der Projektierer erfahren? Kann er auf bereits errichtete Anlagen gleichen oder ähnlichen Typs verweisen?
  • Passt die Crowdfinanzierung von der Laufzeit her zur Gesamtfinanzierung? Ist der Verkauf von Anlagen notwendig, um die Gelder der Anleger zurückzahlen zu können? Letzteres ist vor allem bei kurzen Laufzeiten häufiger der Fall und birgt dann das Risiko, den benötigten Verkaufserlös gegebenenfalls nicht erzielen zu können.
  • Bei PPA-Projekten, die nicht EEG-gefördert sind: Besteht ein langfristiger Strom-Abnahmevertrag oder unterliegt der Ertrag den üblichen Preisschwankungen auf dem Spotmarkt?

Refinanzierungen: Energieinvestments mit anderem Risikoprofil

Manchmal werden bereits gebaute und in Betrieb befindliche Anlagen umfinanziert. Man spricht dann von „Refinanzierungen“. Hier wollen Projektierer ihr eingesetztes, vergleichsweise teures Eigenkapital durch Mittel aus der Crowd ersetzen, da nun weniger Risiken im Projekt vorhanden sind. Dadurch haben Sie wieder finanzielle Ressourcen für neue Projekte zur Verfügung, in die Sie ihr wertvolles Eigenkapital einbringen können. Eine Finanzierung von Energieerzeugungsanlagen ist ohne Eigenkapital nicht möglich. Relevant für Anleger bei bereits in Betrieb befindlichen Anlagen ist das weiterhin vorhandene Betriebsrisiko. Versicherungen decken dieses jedoch weitestgehend ab. Allerdings kann es bei allen Formen der regenerativen Energieerzeugung passieren, dass die tatsächlich erzeugten Strommengen von den Planungen abweichen, was dann wiederum ein Minderertrags-Risiko darstellt. 

Immobilien­finanzierung: Crowd­investing mit Kurzzeit-Engagement

Crowdinvesting befindet sich hierzulande seit Jahren auf einem deutlichem Wachstumskurs. Laut Crowdinvest Marktreport 2019 kommt der wesentliche Zuwachs aus dem Immobiliensegment. Neben Neubauprojekten werden auch sogenannte „Revitalisierungen“ finanziert. Hierbei handelt es sich nicht nur um die reine Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen. Revitalisierungen haben immer auch eine strategische Dimension: Die Immobilie wird durch eine entsprechende Projektentwicklung zukunftsfähig gemacht. Immobilienfinanzierungen weisen statistisch niedrigere Ausfallraten auf. Die Risiken entstehen vor allem durch Verzögerungen beim Bau beziehungsweise bei der Revitalisierung. Immobilienfinanzierungen haben meist kürzere Laufzeiten von einem bis maximal zwei Jahren. Die sozial-ökologische Wirkung einer Anlage ist bei Immobilien oft eher indirekt erkennbar, zum Beispiel durch einen guten KfW-Standard eines Gebäudes. Das spart Energiekosten ein und schont die Umwelt.

Was man bei Immobilienfinanzierungen beachten sollte

Wer in Immobilien investieren möchte, sollte sich mit folgenden beispielhaften Aspekten auseinandersetzen:

  • Handelt es sich um eine Bestandsimmobilie oder einen Neubau? In letzterem Fall sind die Risiken in der Regel größer.
  • Liegen die erforderlichen Baugenehmigungen bereits vor?
  • Ist die Fertigstellung der bisherigen Bauabschnitte fristgerecht erfolgt?
  • Kann der Denkmalschutz für zusätzliche Verzögerungen sorgen?
  • Sind die Vermietungs- oder Verkaufsplanungen plausibel nachvollziehbar?
  • Ist der Projektentwickler schon länger aktiv am Markt und verfügt entsprechend über die notwendige Expertise und ein gutes Netzwerk?
  • Ist der Emittent mit eigenem Kapital in signifikanter Höhe beteiligt und besteht dadurch eine Interessenskongruenz zu den Anleger*innen, sprich: Trägt der Verantwortliche auch finanzielle Konsequenzen, falls die Crowd-Anleger ihr Kapital verlieren sollten?

Crowdinvesting: Jede Chance birgt auch ein Risiko

Crowdinvesting bietet Anlegern die Möglichkeit, mit ihrem Geld aktiv Neues mitzugestalten und einen nachhaltigen Beitrag zur Gesellschaft von Morgen zu leisten. Investoren sollten sich jedoch genau überlegen, wie es sich beim Crowdinvesting mit den für sie relevanten Risikofaktoren verhält. Jede Chance birgt auch ein Risiko. Seriöse Crowdinvesting-Plattformen suchen ihre Projekte deshalb nicht nur sehr sorgfältig aus. Sie machen die geplante Finanzierung auch für ihre Anleger transparent. Einige Plattformen bieten zudem neben den klassischen Einzelinvestments auch risikodiversifizierte AIFs – alternative Investmentfonds – oder ähnliche Anlageformen an.

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Hinweis: Der Artikel soll Ihnen unter anderem dabei helfen, die Risiken eines Crowdinvestments besser zu verstehen. Die Aufzählung einiger Risiken hat keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit. Beachten Sie daher bitte in jedem Fall unsere generellen Risikohinweise einschließlich unserer „Hinweise des Plattformbetreibers“ sowie die jeweiligen projektspezifischen Risikohinweise im Rahmen der einzelnen Investitionsangebote. Das Einstellen eines Projekts auf der Plattform stellt keine Investitionsempfehlung dar.
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