Crowd­investing: Welche Projekt­arten gibt es und welche Projekte passen zu mir?

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Crowdinvesting ist nicht gleich Crowdinvesting. Projekte in ganz unterschiedlichen Segmenten bieten Investor*innen eine Vielfalt an Möglichkeiten, mit ihrem Geld Neues entstehen zu lassen: innovative Unternehmen, bezahlbaren Wohnraum, eine nachhaltige Energieversorgung. Die Investments unterscheiden sich ihrem Inhalt nach stark – was Auswirkungen auf Risiko und Rendite hat. Anleger*innen sollten sich Crowdinvesting-Projekte deshalb genau ansehen, bevor sie sich entscheiden, zu investieren.

Unternehmens­finanzierung: Neue Wege über die Crowd

Crowdinvesting ist eine relativ neue, alternative Art im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Anstatt einen herkömmlichen Bankkredit in Anspruch zu nehmen, geht das Unternehmen den Weg über die Crowd, um an benötigtes Kapital zu kommen. Es tut das aus verschiedenen Gründen: In einer frühen Phase der Unternehmensentwicklung können junge Unternehmen zunächst noch keine bei Banken erforderliche Sicherheiten stellen, d.h. das Risiko ist aus Sicht eines Kreditinstitutes nicht passend für ein günstiges Bankdarlehen. Weil es für junge Unternehmen somit oft unmöglich ist, günstige Darlehen aufzunehmen, wenden sie sich zuerst an Risikokapitalgeber. Die investieren in das Unternehmen, indem sie Eigenkapital bereitstellen und dafür Firmenanteile erhalten. Ein nächster Schritt kann eine Finanzierung über die Crowd sein. Hier werden keine Sicherheiten gestellt. Stattdessen werden die Crowdanleger*innen durch die tendenziell höher ausfallenden Zinsen für das weiterhin erhöhte Risiko entlohnt, das sie mit ihrem Investment im Vergleich zu einer Bank eingehen. Auch etablierte Unternehmen nutzen die Möglichkeit der Crowdfinanzierung, um die eigenen Kund*innen und Mitarbeitenden an der Einführung eines neuen Produkts oder Produktsegments teilhaben zu lassen.

Was man bei einer Unternehmens­finanzierung beachten sollte

Investor*innen sollten sich den Investmentgegenstand genau anschauen, bevor sie eine Investitionsentscheidung treffen. Die Beantwortung folgender beispielhafter Fragen hilft, die Erfolgsaussichten einer Unternehmensfinanzierung zu bewerten:

  • Sind die Wachstumsprognosen für Sie glaubhaft?
  • Liegen Marktdaten vor, die die Annahmen des Unternehmens hinsichtlich der Vertriebsziele unterstützen?
  • Wie erfahren ist das Gründerteam?
  • Sind die wesentlichen Positionen wie zum Beispiel Finanzplanung/Controlling, Marketing und Entwicklung­ aus Ihrer Sicht gut besetzt?
  • Gibt es bereits andere, nicht nachrangige Darlehensgeber, die bedient werden müssen, bevor Crowdinvestor*innen ihr Geld zurückerhalten können?
  • Wie sieht der Finanzierungsmix insgesamt aus? Haben die Gründer im Falle des Scheiterns auch selbst erhebliche Verluste zu tragen und werden daher bis zuletzt für den Fortbestand des Unternehmens kämpfen?
  • Werden bei bereits etablierten Unternehmen aktuelle Jahresabschlüsse zur Verfügung gestellt, die einen objektiven Einblick in die finanzielle Situation gewähren?

Erneuer­bare Energie: Nach­haltige Crowd­investments

Investments Anlagen der Erneuerbaren Energien sind in der Regel als Projektfinanzierung ausgestaltet. Meist handelt es sich hier um Projekte mit mehreren Projektbeteiligten. Das besondere Merkmal von Projektfinanzierungen ist die cashflow-orientierte Betrachtungsweise: Die Rückzahlung der aufgenommenen Mittel erfolgt allein aus Erträgen, die in der Zukunft erwirtschaftet werden. Gerade in der Anfangsphase ist der Kapitalbedarf bei Energieanlagen hoch: Grundstückskauf, Genehmigungen und Bau der Anlage müssen finanziert werden. Die eingebrachten Mittel sollen dann mit fortschreitender Projektdauer samt Zinsen „zurückverdient“ werden. Windkraft und Solarenergie sind etablierte Technologien. Typische Baurisiken sind bekannt und grundsätzlich gut in den Griff zu bekommen. In Deutschland werden viele Energieprojekte meist noch mit Mitteln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gefördert. Dieses garantiert einen festen Abnahmepreis für den in der Anlage erzeugten Strom in den ersten 20 Jahren. Bei Projekten, die außerhalb des EEG realisiert werden, sieht das anders aus. Hier sollten Anleger*innen darauf achten, dass es langfristige Abnahmeverträge – sogenannte „power purchase agreements“ oder „PPA“ – für den produzierten Strom gibt. Der Abnehmer sollte zudem über eine gute Bonität beziehungsweise ein langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell verfügen, damit das Ausfallrisiko minimiert wird. 

Was man bei Projekt­finanzierungen im Bereich Erneuer­bare Energien beachten sollte

Um das Risiko eines Energie­investments besser einschätzen zu können, lohnt sich der Blick auf folgende Frage­stellungen:

  • Besteht noch ein Baurisiko? Liegen alle erforderlichen Genehmigungen vor? Gibt es Lieferverträge? Laufen Klagen gegen das Projekt?
  • Ist der Projektierer erfahren? Kann er auf bereits errichtete Anlagen gleichen oder ähnlichen Typs verweisen?
  • Passt die Crowdfinanzierung von der Laufzeit her zur Gesamtfinanzierung? Oder müssen Anlagen verkauft werden, um die Gelder der Anleger zurückzahlen zu können? Letzteres ist vor allem bei kurzen Laufzeiten häufiger der Fall und birgt dann das Risiko, den benötigten Verkaufserlös gegebenenfalls nicht erzielen zu können.
  • Bei PPA-Projekten, die nicht EEG-gefördert sind: Besteht ein langfristiger Strom-Abnahmevertrag oder unterliegt der Ertrag den üblichen Preisschwankungen auf dem Spotmarkt?

Re­finanzierungen: Energie­investments mit anderem Risiko­profil

Manchmal werden bereits gebaute und in Betrieb befindliche Anlagen umfinanziert. Man spricht dann von „Refinanzierungen“. Hier wollen Projektierer ihr eingesetztes, vergleichsweise teures Eigenkapital durch Mittel aus der Crowd ersetzen, da nun weniger Risiken im Projekt vorhanden sind. Dadurch haben sie wieder finanzielle Ressourcen frei für neue Projekte, in die sie ihr wertvolles Eigenkapital neu einsetzen können. Ohne Eigenkapital kann eine Finanzierung von Energieerzeugungsanlagen nicht aufgestellt werden. Relevant für Anleger*innen bei bereits in Betrieb befindlichen Anlagen ist das weiterhin vorhandene Betriebsrisiko. Dieses kann aber weitestgehend durch Versicherungen abgedeckt werden. Allerdings kann es bei allen Formen der regenerativen Energieerzeugung passieren, dass die tatsächlich erzeugten Strommengen von den Planungen abweichen, was dann wiederum ein Minderertrags-Risiko darstellt. 

Immobilien­finanzierung: Crowd­investing mit Kurzzeit-­Engagement

Crowdinvesting befindet sich hierzulande seit Jahren auf einem deutlichem Wachstumskurs. Laut Crowdinvest Marktreport 2019 kommt der wesentliche Zuwachs aus dem Immobiliensegment. Neben Neubauprojekten werden auch sogenannte „Revitalisierungen“ finanziert. Hierbei handelt es sich nicht nur um die reine Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen. Revitalisierungen haben immer auch eine strategische Dimension: Die Immobilie wird durch eine entsprechende Projektentwicklung zukunftsfähig gemacht. Immobilienfinanzierungen weisen statistisch niedrigere Ausfallraten auf. Die Risiken entstehen vor allem durch Verzögerungen beim Bau beziehungsweise bei der Revitalisierung. Immobilienfinanzierungen haben meist kürzere Laufzeiten von einem bis maximal zwei Jahren. Die sozial-ökologische Wirkung einer Anlage ist bei Immobilien oft eher indirekt erkennbar, zum Beispiel durch einen guten KfW-Standard eines Gebäudes. Dadurch werden Energiekosten gespart und so die Umwelt schont. 

Was man bei Immobilien­finanzierungen beachten sollte

Wer in Immobilien investieren möchte, sollte sich mit folgenden beispielhaften Aspekten auseinandersetzen:

  • Handelt es sich um eine Bestandsimmobilie oder einen Neubau? In letzterem Fall sind die Risiken in der Regel größer.
  • Liegen die erforderlichen Baugenehmigungen bereits vor?
  • Ist die Fertigstellung der bisherigen Bauabschnitte fristgerecht erfolgt?
  • Kann der Denkmalschutz für zusätzliche Verzögerungen sorgen?
  • Sind die Vermietungs- oder Verkaufsplanungen plausibel nachvollziehbar?
  • Ist der Projektentwickler schon länger aktiv am Markt und verfügt entsprechend über die notwendige Expertise und ein gutes Netzwerk?
  • Ist der Emittent mit eigenem Kapital in signifikanter Höhe beteiligt und besteht dadurch eine Interessenskongruenz zu den Anleger*innen, sprich: Trägt der Verantwortliche auch finanzielle Konsequenzen, falls die Crowd-Anleger*innen ihr Kapital verlieren sollten?

Crowdinvesting bietet Anleger*innen die Möglichkeit, mit ihrem Geld aktiv Neues mitzugestalten und einen nachhaltigen Beitrag zur Gesellschaft von morgen zu leisten. Investor*innen sollten sich jedoch genau überlegen, wie es sich beim Crowdinvesting mit den für sie relevanten Risikofaktoren verhält. Jede Chance birgt auch ein Risiko. Seriöse Crowdinvesting-Plattformen suchen ihre Projekte deshalb nicht nur sehr sorgfältig aus. Sie machen die geplante Finanzierung auch für ihre Anleger transparent. Einige Plattformen bieten zudem neben den klassischen Einzelinvestments in der Crowd auch risikodiversifizierte AIFs – alternative Investmentfonds – oder ähnliche Anlageformen an.

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