Alter­native Investment­fonds: Wer breit sät, erntet mehr

Lesezeit: 8 Minuten                      

               

Sie sind schwarmfinanziert, aber keine klassischen Crowd-Projekte: Alternative Investmentfonds – oder AIFs – nutzen das Kapital vieler Anleger*innen, um nachhaltige Projekte in großem Rahmen auf den Weg zu bringen. Die Mindesteinlagen sind höher als beim herkömmlichen Crowdinvesting, die Laufzeiten länger. Die Auszahlungen werden flexibler gehandhabt. Für Investor*innen, die langfristig anlegen können und weniger Risiko möchten, sind AIFs eine sehr attraktive Option. Denn eine breit gestreute Anlage erhöht die Chancen auf reichliche Erträge.

AIFs: Wichtige Kapital­geber für erneuer­bare Energien

Klassische Fonds investieren in sogenannte „verbriefte Werte“ – Aktien, Anleihen oder Zertifikate. AIFs dagegen legen das Kapital ihrer Zeichner*innen in Sachwerten wie Immobilien, Schiffen und Flugzeugen oder Unternehmensbeteiligungen – sogenannter „Private Equity“ ­– an. Besonders im Bereich der erneuerbaren Energien sind AIFs wichtige Kapitalgeber: Wind- und Solarparks, Wasserkraftanlagen und viele andere nachhaltige Projekte werden häufig durch Mittel aus alternativen Investmentfonds finanziert.

Alter­native Investment­fonds: Voll­reguliert und professionell gemanagt

Hinter jedem AIF steht eine Kapitalverwaltungsgesellschaft – kurz KGV. Sie muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin zugelassen sein. Vor dem Vertriebsstart prüft die BaFin zudem den Emissionsprospekt. Die KVG verwaltet das Fondsvermögens und verantwortet das Risikomanagement. Alternative Investmentfonds haben eine relativ hohe Mindestzeichnungssumme. Meist liegt sie zwischen 5.000 und 25.000 Euro. Dazu kommt die branchenübliche Vertriebsgebühr, der „Agio“. In der Regel beträgt er fünf Prozent der Zeichnungssumme. Innerhalb eines vorab festgelegten Zeitfensters sammelt der Vertrieb der KGV die Finanzmittel ein, die für den Zweck des Fonds erforderlich sind. Ist das geplante Platzierungsvolumen erreicht, können keine neuen Investor*innen mehr einsteigen.

Geschlossene Fonds: Lang­fristige Investition mit hohem Volumen

Bei alternativen Investmentfonds handelt es sich in der Regel um geschlossene Fonds. Anders als bei klassischen Fonds sind Anleger*innen für die vorgesehene Laufzeit an ihre Beteiligung gebunden. Manche Produkte sind für eine Finanzierung über wenige Jahre konzipiert. In der Regel haben AIFs aber Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren. Das unterscheidet sie von Einzelinvestments über die Crowd. Auch die Mindesteinlagen sind sehr viel höher. Anlagekapital wird also in größerem Umfang und langfristig gebunden. Dadurch ist es aber auch unabhängig von kurzfristigen Schwankungen. Weil die Beteiligungen nicht wie Aktien und andere Wertpapiere frei gehandelt werden, können Anleger*innen ihre Anteile vor dem Laufzeitende übrigens nur über den sogenannten Zweitmarkt verkaufen. Das ist aber in der Regel mit Verlusten verbunden. Investitionsentscheidungen sollten deshalb besonders gut durchdacht sein.

Diversifizierung: Weniger Risiko durch Streuung

Der Vorteil alternativer Investmentfonds gegenüber Einzelinvestments in der Crowd: Sie mischen verschiedene Anlagen und bieten dadurch eine Risikodiversifizierung. Anstatt zum Beispiel auf einen einzelnen Windpark zu setzen, investieren Anleger*innen breit gestreut in verschiedene Windenergie- und Solarprojekte an unterschiedlichen Standorten. Ertragsschwankungen können auf diese Weise ausgeglichen und das Risiko minimiert werden. Der Nachteil: Bereits die Konstruktion eines AIF kostet Geld. Das bindet finanzielle Mittel, die sonst mit direkter Wirkung eingesetzt werden könnten. Außerdem lässt sich der Impact der eigenen Anlage für Investor*innen nicht mehr so unmittelbar nachvollziehen wie bei einem klassischen Crowd-Projekt.

Blindpool-­Investments: Risiko und Chance

Noch weniger nachvollziehbar ist die Wirkung des angelegten Geldes bei sogenannten „Blindpools“. Während beim „Semi-Blindpool“ zumindest ein Investitionsobjekt bekannt ist, sind bei als Blindpool ausgestalteten AIFs die zu erwerbenden Vermögensgegenstände überhaupt nicht konkret festgelegt. In diesem Fall kommt es darauf an, welche Rahmenbedingungen der AIF-Anbieter für die jeweiligen Investments zusichert. Im Platzierungsangebot steht dann beispielsweise, dass der Fond „in Anlagen für die Erzeugung erneuerbarer Energien mit Fokus auf Europa“ investiert. Der Vorteil für den Anbieter: Er kann das gesammelte Kapital flexibler einsetzen und auf Marktentwicklungen reagieren. Für Anleger*innen erhöht sich bei dieser „Blindinvestition“ das Risiko, weil sie die Ertragschancen nicht selber beurteilen können. Umso wichtiger ist es, bei der Anlageentscheidung auf eine seriöse, erfahrene Fondsgesellschaft zu setzen.

AIF-Rendite: Prognostizierte Gewinn­ausschüttungen

Auch Auszahlungen und Rendite setzt sich anders zusammen, als bei herkömmlichen Crowd-Projekten. Als Nachrangdarlehen arbeiten diese mit festen Zinsen und festen Tilgungsterminen. Fondsanleger*innen sind aber keine Darlehensgeber. Sie sind an den Anlageobjekten beteiligt und erhalten ihre Erträge aus den erwirtschafteten Überschüssen. Der prognostizierte Wertzuwachs ist dabei die Grundlage für den Auszahlungsplan des AIFs. Er basiert vor allem auf der erwarteten Wertsteigerung des Investitionsgegenstandes. Die tritt aber in den meisten Fällen erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Finanzierung auf. Die Auszahlungsprognosen sehen deshalb üblicherweise eine Steigerung der Auszahlungen mit fortschreitender Laufzeit vor. Wann Anleger*innen tatsächlich in den Genuss von Gewinnausschüttungen kommen, hängt allerdings davon ab, ob die Wertsteigerung auch so ausfällt wie erwartet.

Was Anleger*­innen bei AIFs beachten sollten

Folgende Über­legungen helfen Investor*­innen einzuschätzen, ob ein alternativer Investment­fond die richtige Anlage für sie ist:

  • Passt die Laufzeit zum Anlagehorizont? AIF-Investor*innen sollten eine langen bis sehr langen Anlagehorizont haben.
  • Passt der angegebene Investitionsfokus des Fonds zu den eigenen Werten?
  • Passen die Auszahlungsprognosen relativ zur Einlage? Je weiter der Investitionszweck des Fonds gehalten ist, desto höher sollten sie ausfallen.
  • Falls es sich um einen Blindpool handelt: Ist das geplante Portfolio klar umrissen hinsichtlich Anlagensparte und Geografie?
  • Liegt der Anlagefokus auf bewährten Energien wie Solarzellen oder Windkraft oder soll in neuartige Technologie – zum Beispiel Gezeitenkraftwerke – investiert werden? Bei Letzteren ist das Risiko für Investor*innen größer.
  • Wie sieht es mit dem „track record“ aus: Hat die Fondsgesellschaft in der Vergangenheit bereits erfolgreiche AIFs vermittelt?
  • Ist das Management-Team der KVG branchenerfahren?
  • Bei AIFs mit kürzeren Laufzeiten: Sind die Preisannahmen für die Veräußerung von Anlagen realistisch? Wenn Anlagen als Investitionsobjekte des Fonds „intern“ aufgekauft werden: Ist der Preis marktüblich?

Fazit: Für langfristig orientierte Investor*innen, die sich an nachhaltigen Projekten beteiligen möchten, sind AIFs eine risikoärmere Alternative zu herkömmlichen Crowd-Projekten, mit der sich ein Portfolio gut diversifizieren lässt. Allerdings sollten Anleger*innen dabei auf Produkte einer erfahrene Fondsgesellschaft setzen.

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