Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Impact Investing?
- Impact Investment oder Impact Investing – wo liegt der Unterschied?
- Was macht Impact Investing aus?
- Beispielhafte Bereiche und mögliche Wirkungsziele
- Nachhaltige Anlagestrategien im Vergleich
- Historie und Entwicklung von ethischen Investments
- Greenwashing versus Transparenz
- Fazit: Impact Investing bewusst nutzen
Impact Investing bezeichnet Geldanlagen, die neben einer finanziellen Rendite gezielt eine messbare, positive soziale oder ökologische Wirkung anstreben.
Was bedeutet Impact Investing?
Impact Investing (auch: wirkungsorientiertes Investieren) bezeichnet Investitionen, bei denen eine positive soziale oder ökologische Wirkung ausdrücklich als Ziel definiert wird – und nicht nur „mitgedacht“ ist. Neben den finanziellen Kennzahlen rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche messbare Veränderung ein Investment bewirken soll.
Wesentlich sind dabei Transparenz und Nachvollziehbarkeit:
- Welches gesellschaftliche oder ökologische Problem soll adressiert werden?
- Welche Wirkungsziele werden angestrebt (z. B. CO₂-Einsparung, soziale Teilhabe, Bildungschancen)?
- Wie wird über die erreichte Wirkung berichtet – qualitativ (z. B. Fallbeispiele) und/oder quantitativ (z. B. Kennzahlen, Indikatoren)?
Im Unterschied zu vielen klassisch nachhaltigen Geldanlagen, bei denen häufig vor allem Ausschlusskriterien oder ESG-Ratings im Vordergrund stehen, geht Impact Investing einen Schritt weiter: Die beabsichtigte Wirkung ist integraler Bestandteil der Investitionsentscheidung.
Viele Impact Investments orientieren sich dabei an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs), die einen international anerkannten Rahmen für soziale und ökologische Zielsetzungen bieten. Das Global Impact Investing Network (GIIN) definiert Impact Investing als Investitionen, die mit der Absicht getätigt werden, neben finanziellen Erträgen auch positive, messbare soziale und ökologische Wirkungen zu erzielen.
Impact Investment oder Impact Investing – wo liegt der Unterschied?
Im Alltag werden die Begriffe häufig synonym verwendet, streng genommen bezeichnen sie aber Unterschiedliches:
- Impact Investing beschreibt den Ansatz bzw. die Strategie des wirkungsorientierten Investierens. Es geht um die grundsätzliche Ausrichtung: Kapital soll gezielt dorthin fließen, wo positive soziale oder ökologische Veränderungen gefördert werden.
- Ein Impact Investment ist das konkrete Anlageprodukt oder Projekt, das diese Strategie in der Praxis umsetzt. Das kann zum Beispiel ein Fonds, eine Anleihe oder ein Crowdinvesting-Projekt sein, das eine klar definierte Wirkungsabsicht verfolgt.
Beide Begriffe gehören zusammen: Impact Investing wird stets über einzelne Impact Investments realisiert. Für Anlegende ist wichtig zu verstehen, welche Ziele die gewählte Anlage verfolgt und wie die Wirkung dokumentiert wird.
Was macht Impact Investing aus?
Bei Impact Investments steht ein positiver Mehrwert im Zentrum. Die finanzierten Unternehmen und Projekte sind in der Regel in Bereichen tätig, die gesellschaftlichen Fortschritt fördern oder ökologische Herausforderungen adressieren. Typische Merkmale von Impact Investing sind:
- Ein klar formuliertes Wirkungsziel (z. B. Klimaschutz, soziale Teilhabe, Bildung, Gesundheit).
- Eine plausible Wirkungslogik: Wie soll das Investment dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen?
- Eine transparente Berichterstattung zur Wirkung – je nach Projekt durch Kennzahlen, Berichte oder unabhängige Evaluierungen.
- Die Verbindung von Wirkung und Rendite: Der finanzielle Aspekt wird nicht ausgeschlossen, steht aber nicht allein im Vordergrund.
Impact Investments können sich auf verschiedene Wirkungsbereiche verteilen. Eine breite Streuung über unterschiedliche Sektoren kann helfen, ein nachhaltiges Anlageportfolio zu strukturieren und unterschiedliche Wirkungsziele zu adressieren.
Beispielhafte Bereiche und mögliche Wirkungsziele
Erneuerbare Energien
Beitrag zur CO₂-Reduktion und zur Energiewende
Bildung & Kultur
Förderung von Chancengleichheit und lebenslangem Lernen
Soziales & Gesundheit
Inklusion, Verbesserung von Versorgung und Pflege, Stärkung sozialer Infrastruktur
Ernährung
Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Förderung ökologischer Bewirtschaftung, Tierwohl
Wohnen
Sozialer Wohnungsbau, bezahlbarer Wohnraum, lebenswerte Quartiere
Nachhaltige Anlagestrategien im Vergleich
Nicht jede nachhaltige Geldanlage ist automatisch ein Impact Investment. Es gibt unterschiedliche Strategien, um Nachhaltigkeitsaspekte in Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen – mit jeweils anderem Fokus.
Die wichtigsten Ansätze im Überblick:
| Strategie | Fokus | Ziel |
|---|---|---|
| ESG-Kriterien | Risikomanagement | Schaden minimieren (Ausschlusskriterien, Standards) |
| Best-in-Class | Vergleich innerhalb der Branche | Bester der Branche sein (auch in kritischen Branchen) |
| Impact Investing | Problemlösung & Wirkung | Positive Veränderung aktiv erzielen (lösungsorientiert) |
ESG-Kriterien
ESG („Environmental, Social, Governance“) steht für Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Seit Mitte der 2000er-Jahre haben sich ESG-Kriterien als Standard zur Bewertung nachhaltiger Investitionen etabliert.
Typischerweise werden dabei Aspekte wie CO₂-Bilanz, Arbeitsbedingungen, Lieferketten oder Transparenz in der Unternehmensführung analysiert. Viele nachhaltige Fonds nutzen ESG-Ratings, um Unternehmen einzustufen und kritische Branchen auszuschließen oder zu gewichten. ESG folgt dabei häufig dem Prinzip der doppelten Materialität (Double Materiality): Es werden sowohl finanzielle Risiken durch Nachhaltigkeitsthemen (Outside-In) als auch die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft (Inside-Out) betrachtet.
Best-in-Class
Beim Best-in-Class-Ansatz werden innerhalb einer Branche diejenigen Unternehmen bevorzugt, die in Sachen Nachhaltigkeit im Vergleich am besten abschneiden. Ein Unternehmen kann also Teil eines nachhaltigen Portfolios sein, obwohl die Branche selbst durchaus kritische Aspekte aufweist – sofern es im Vergleich zu seinen Wettbewerbern deutlich nachhaltiger agiert.
Impact First
Bei der Impact-First-Strategie steht die Wirkung im Mittelpunkt der Investition. Die finanzielle Rendite spielt zwar weiterhin eine Rolle, kann aber gegenüber der angestrebten sozialen oder ökologischen Wirkung nachgeordnet sein. Je nach persönlicher Haltung können Investierende Schwerpunkte setzen und Impact Investments auswählen, deren Wirkung zu den eigenen Werten passt.
Impact Investing wird häufig in diesen Kontext eingeordnet: Ohne einen nachvollziehbar dokumentierten gesellschaftlichen oder ökologischen Beitrag wird keine Investitionsentscheidung getroffen. Entscheidend ist, dass die Wirkung nicht nur ein Nebeneffekt, sondern ein zentrales Ziel der Anlage ist.
Ein vertiefender Überblick zu Chancen, Risiken und den klassischen Anlagekriterien findet sich im Beitrag: Das magische Dreieck der Geldanlage – wie Nachhaltigkeit, Rendite und Sicherheit zusammenwirken können.
Historie und Entwicklung von ethischen Investments

Glaubensgemeinschaften als Vorreiter
Ethisches Investieren ist kein neues Phänomen. Bereits im 18. Jahrhundert begannen etwa Quäker und Methodisten, Geldanlagen nach moralischen Grundsätzen auszurichten und bestimmte Geschäftsfelder bewusst zu meiden. 1932 entstand mit dem Church of Scotland Trust vermutlich einer der ersten streng ethisch ausgerichteten Fonds.
Der Fokus lag zunächst vor allem auf Ausschlüssen – etwa von Waffen, Glücksspiel oder Alkohol –, weniger auf der Frage, welche positiven Wirkungen mit Geldanlagen aktiv gefördert werden können. Einen entscheidenden Impuls für diesen Perspektivwechsel gab in Deutschland die Gründung der GLS Bank, die bereits 1974 als erste sozial-ökologische Universalbank zeigte, dass Geld nicht nur Rendite, sondern auch gesellschaftliche Wirkung erzielen kann.
Impact Investing auf Wachstumskurs
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Impact Investing von einem Nischenthema zu einem wachsenden Segment im Markt nachhaltiger Geldanlagen entwickelt. Verschiedene Studien und Marktanalysen zeigen, dass das Volumen nachhaltiger Geldanlagen im deutschsprachigen Raum kontinuierlich zunimmt, und dass sowohl institutionelle als auch private Investierende Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend in ihre Entscheidungen einbeziehen.
Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) erfasst in seinen regelmäßigen Marktberichten die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland und Österreich und kommt zu dem Ergebnis, dass sich nachhaltige Anlagen am Markt etabliert haben und wirkungsorientierte Strategien wie Impact Investing weiter an Bedeutung gewinnen. Für Anleger*innen bedeutet das ein breiteres Angebot an wirkungsorientierten Investmentansätzen – verbunden mit der Aufgabe, unterschiedliche Strategien, Wirkungsziele und Transparenzniveaus sorgfältig zu prüfen und eigenverantwortlich zu bewerten.
Weitere Marktdaten und Analysen veröffentlicht das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinen jährlichen Marktberichten “Nachhaltige Geldanlagen”.
Greenwashing versus Transparenz
Je größer das Interesse an nachhaltigen und wirkungsorientierten Investments wird, desto vielfältiger wird auch das Angebot am Markt. Dabei ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, welche Investments tatsächlich eine messbare gesellschaftliche oder ökologische Wirkung erzielen – und welche nur mit Schlagworten werben.
Greenwashing (verdeckt ökologische Wirkung) oder Rainbow Washing (soziale Themen ohne Substanz) sind Phänomene, denen sich verantwortungsbewusste Investor*innen zunehmend gegenübersehen. Entscheidend ist daher, genau hinzusehen:
Wie transparent sind die Ziele und Wirkungsnachweise eines Projekts? Und wird die tatsächliche Wirkung regelmäßig überprüft oder berichtet?

Typische Mythen und Missverständnisse
„Nachhaltig heißt automatisch Impact.“
Nicht jedes nachhaltige Investment verfolgt eine konkrete Wirkungsabsicht. Während ESG-basierte Anlagen häufig auf Ausschlusskriterien und Branchenscreenings setzen, zielt Impact Investing auf eine klar benannte, nachprüfbare Änderung im sozialen oder ökologischen Kontext ab.
„Impact lässt sich immer exakt messen.“
In Bereichen wie CO₂-Reduktion kann Wirkung gut quantifiziert werden. Bei Themen wie Bildung, Gesundheit oder sozialer Teilhabe sind qualitative Betrachtungen ebenso wichtig – etwa durch Wirkungsgeschichten oder unabhängige Evaluationen.
Orientierung durch Transparenz und Glaubwürdigkeit
Für Anlegende ist es hilfreich, auf nachvollziehbare Informationsquellen und unabhängige Bewertungen zu achten:
- Transparenz der Anbieter:
Banken oder Plattformen, die Nachhaltigkeit als festen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit verstehen, machen Kriterien zur Wirkung, Mittelverwendung und Kreditvergabe nachvollziehbar öffentlich.
- Unabhängige Prüfungen:
Organisationen wie Facing Finance oder der Fair Finance Guide vergleichen regelmäßig Nachhaltigkeitsprofile von Finanzinstituten und tragen zu mehr Orientierung bei.
Für Anlegende ist es sinnvoll, sich mit den jeweiligen Projekten und Bedingungen intensiv auseinanderzusetzen und sich bewusst eine eigene Meinung zu bilden. Individuelle Anlageentscheidungen sollten stets eigenverantwortlich getroffen werden.
Fazit: Impact Investing bewusst nutzen
Impact Investing verbindet den Wunsch nach finanzieller Rendite mit dem Ziel, soziale und ökologische Veränderungen gezielt zu fördern. Im Unterschied zu vielen klassischen nachhaltigen Anlagen steht die tatsächlich erzielte Wirkung stärker im Mittelpunkt – idealerweise wird sie transparent dokumentiert und regelmäßig überprüft. Wer sein Geld wirkungsorientiert anlegen möchte, sollte insbesondere auf folgende Punkte achten:
- Klare Wirkungsziele und eine nachvollziehbare Wirkungslogik der Projekte oder Unternehmen.
- Transparente Informationen zu Chancen, Risiken und Mittelverwendung.
- Unabhängige Bewertungen und eine stimmige Einbettung in die eigene Anlagestrategie.
Jede Form der Geldanlage ist mit Risiken verbunden und eignet sich nicht für alle Personen gleichermaßen. Ihre Anlageentscheidung sollte immer nach genauer Prüfung geschlossen werden.
Sie möchten auf dem Laufenden bleiben und erfahren, was Geld konkret bewirken kann?
Abonnieren Sie den GLS Crowd Newsletter. Wir informieren Sie regelmäßig über die Wirkung der finanzierten Projekte und Unternehmen sowie über neue Entwicklungen im Impact Investing – transparent und direkt in Ihr Postfach.
Wissen für Sie
Investieren, aber mit positiver Wirkung: Erfahren Sie mehr über Finanzinstrumente, nachhaltige Branchen und Anlagestrategien für Ihr wirkungsstarkes Portfolio.
FAQ zu Impact Investing: Wirkungsorientierte Geldanlage
Impact Investing bezeichnet Geldanlagen, die neben einer finanziellen Rendite gezielt eine positive, messbare Wirkung auf Umwelt oder Gesellschaft anstreben. Es geht nicht nur darum, Schaden zu vermeiden, sondern aktiv zur Lösung von Problemen beizutragen.
ESG (Environmental, Social, Governance) dient oft als Filter, um Risiken zu minimieren und „schlechte“ Praktiken auszuschließen. Impact Investing geht einen Schritt weiter: Hier ist die positive Wirkung (der „Impact“) das zentrale Ziel der Investition, das aktiv angestrebt und dokumentiert wird.Beispielhafte Bereiche und mögliche WirkungszieleJe nach persönlicher Haltung können Investierende Schwerpunkte setzen und Impact Investments auswählen, deren Wirkung zu den eigenen Werten passt.
Nein, wirkungsorientiertes Investieren und finanzielle Rendite schließen sich nicht aus. Allerdings ist Impact Investing – wie jede Geldanlage – mit Risiken verbunden. Eine Garantie auf Rendite gibt es nicht, und die Erträge hängen vom wirtschaftlichen Erfolg der finanzierten Projekte ab.
Achten Sie auf Transparenz: Seriöse Anbieter definieren klare Wirkungsziele, legen offen, wofür das Kapital verwendet wird, und berichten regelmäßig über die erzielten Ergebnisse. Auch externe Bewertungen oder die Ausrichtung an den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) bieten Orientierung
Das Spektrum ist vielfältig. Häufige Themen sind Erneuerbare Energien (Wind, Solar), nachhaltiges Wohnen, Bildung, Gesundheit, ökologische Landwirtschaft oder Mikrofinanzprojekte, die Menschen im Globalen Süden wirtschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Ja. Während Impact Investing früher oft institutionellen Investoren vorbehalten war, ermöglichen heute Plattformen für Crowdinvesting auch privaten Anleger*innen den Einstieg mit vergleichsweise kleinen Beträgen.
Das hängt vom Projekt ab. Bei Erneuerbaren Energien lässt sich die Wirkung oft gut in Zahlen fassen (z. B. eingesparte Tonnen CO₂). In sozialen Bereichen wie Bildung oder Pflege sind qualitative Berichte und Fallbeispiele oft aussagekräftiger, um den gesellschaftlichen Mehrwert darzustellen.
Je nach persönlicher Haltung können Investierende Schwerpunkte setzen und Impact Investments auswählen, deren Wirkung zu den eigenen Werten passt.Greenwashing versus Transparenz