Das Bild zeigt Nico Tucher, Gründer und Geschäftsführer von WEtell.

Nachhaltiger Mobilfunk mit WEtell – und was Purpose damit zutun hat

Lesedauer: 8 Minuten

WEtell ist ein nachhaltiger Mobilfunkanbieter aus Freiburg. Seit seiner Gründung im Jahr 2019 setzt sich das Unternehmen für eine rundum nachhaltige Mobilfunkdienstleistung ein: Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz bilden WEtells Markenkern. Das junge Unternehmen beschäftigt sich intensiv mit Purpose und ist auf dem Weg, sich in Verantwortungseigentum überführen zu lassen.

Mit WEtell Gründer und Geschäftsführer Nico Tucher sprechen wir über seine Vision einer nachhaltigen Wirtschaft und was Purpose und Gemeinwohl damit zu tun haben.

Lieber Nico, was bedeutet für dich Purpose und was Verantwortungseigentum?

Purpose bedeutet für mich als Unternehmer eine klare und sinnvolle Vision und Mission zu haben. Diese stehen im Zentrum des unternehmerischen Handelns. Zusätzlich gibt es zwei Prinzipien, die alle Purpose-Ansätze vereinen.

Diese sind das Sinn- und das Eigenständigkeitsprinzip. Sie machen ein Unternehmen extrem selbstständig und frei. Werden beide konsequent umgesetzt, so gehört ein Unternehmen sich selbst, es ist dann ein Unternehmen in Verantwortungseigentum.

Das Sinnprinzip besagt, dass alle Gewinne, die erwirtschaftet werden, im Unternehmen selbst verbleiben. Sie werden der unternehmerischen Vision zur Verfügung gestellt. Es entsteht eine Vermögensbindung an den Zweck des Unternehmens.

Das Eigenständigkeitsprinzip bedeutet, dass alle Entscheidungen nur von Menschen getroffen werden können, die auch im Unternehmen arbeiten. Die Menschen im Unternehmen fällen dann Entscheidungen, die das Unternehmen und die Mission der Sinnstiftung voranbringen. Wertsteigerungen von Unternehmensanteilen spielen keine Rolle mehr.

Bei WEtell bist du unter anderem für das Thema Gemeinwohl verantwortlich. Was hat dieser Begriff mit Purpose zu tun?

Wenn wir von Gemeinwohl sprechen, ist ganz allgemein das Wohl von Mensch und Natur gemeint. Es gibt eine Bewegung für Gemeinwohl-Ökonomie. Diese bricht den großen Begriff runter und teilt ihn in verschiedene Kategorien, die man im Unternehmen konkret anpacken kann. So schreiben wir bei WEtell beispielsweise gerade an einer Gemeinwohl-Bilanz. Eine Art werteorientiertes Messwerkzeug, das uns ermöglicht, unser unternehmerisches Handeln an ethischen Richtlinien zugunsten des Gemeinwesens auszulegen und zu reporten.

Purpose hingegen beschäftigt sich mit der Struktur eines Unternehmens. Verantwortung und Sinnhaftigkeit der Unternehmen zu stärken ist das Ziel dieses Ansatzes. Richten sich viele Unternehmen nach den Purpose-Prinzipien aus, so können wir eine Steigerung des Gemeinwohls erleben. Beide Begriffe bzw. Konzepte zielen also in dieselbe Richtung ab, Purpose auf die Unternehmensstruktur und Gemeinwohl auf das Resultat des werteorientierten unternehmerischen Handelns.

Zurück zu Euch: Was motiviert euch, WEtell gemäß Purpose auszurichten und in Verantwortungseigentum zu überführen?

Mit unserem nachhaltigen Mobilfunkangebot verfolgen wir in erster Linie ein gesellschaftliches Ziel, nämlich die Mobilfunkbranche langfristig zu transformieren. Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz bilden das Fundament unseres Handelns. Wirtschaftlicher Erfolg gehört bei einem Unternehmen natürlich auch dazu. Vor allem aber wollen wir einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.

„Um den Fokus auf den Sinn des Unternehmens zu richten und unveränderbar zu machen, führen wir WEtell in Verantwortungs­eigentum über.“

„Um den Fokus auf den Sinn des Unternehmens zu richten und unveränderbar zu machen, führen wir WEtell in Verantwortungs­eigentum über.“

Nico Tucher, Gründer und Geschäftsführer von WEtell

Bei uns ist das Thema Mobilfunk eigentlich ein Mittel, um mehr Nachhaltigkeit in die Welt zu tragen. Im Unternehmensalltag macht es einen großen Unterschied, ob ich meine Entscheidungen danach ausrichte, dass sie primär zur Nachhaltigkeit beitragen, oder ob sich damit nur der Unternehmensgewinn steigern lässt. Damit wir auf lange Sicht unserem idealistischen Ansatz folgen können, ergibt sich fast von selbst, dass WEtell ein Unternehmen in Verantwortungseigentum wird.

Purpose stellt die Sinnorientierung über die Gewinnmaximierung

In aller Regel profitieren die Entscheidungsträger*innen in Unternehmen massiv und persönlich von der Gewinnmaximierung. Das gilt für Unternehmenseigner*innen, deren Unternehmensanteile bei großen Gewinnen im Wert steigen. Und das betrifft externe Investor*innen, die von außen Einfluss auf das Unternehmen ausüben. Als Purpose-Unternehmen kann man sich von diesen Kräften frei machen und getreu dem Motto: Werte-basiert statt profit-maximiert handeln. Dann wird wirtschaftlicher Erfolg niemals zum Selbstzweck. Stattdessen ermöglichen die Gewinne einem Unternehmen sinnstiftend handeln zu können und damit dem Gemeinwohl zu dienen. 

Gemeinsam auf dem Weg mit Ecosia

WEtells Weg zum Purpose-Unternehmen hat mit unserer engen Kooperation mit der nachhaltigen Suchmaschine Ecosia begonnen. Die beiden Gründer Christian Kroll und Tim Schumacher haben uns auf das Thema Purpose und Verantwortungseigentum aufmerksam gemacht. Wir haben gemerkt, das passt in hohem Maße zu WEtells Vision und Mission. Auch im Austausch mit unseren Mitarbeiter*innen ist viel Rückhalt und Unterstützung für diesen Weg vorhanden. Zu wissen, für ein Unternehmen tätig zu sein, das einen wirklich gesellschaftlichen Nutzen verfolgt, steigert die Motivation um ein Vielfaches. Die meisten arbeiten gerade deshalb bei uns, weil wir Nachhaltigkeit und Purpose so wichtig nehmen. Unsere Kund*innen sind übrigens oft erleichtert, dass es mit WEtell im Mobilfunk jetzt endlich auch einen alternativen Anbieter gibt, der diese sinnstiftende Unternehmensausrichtung anstrebt. Wie für uns auch ist vielen unserer Kund*innen Nachhaltigkeit wirklich eine Herzensangelegenheit.

Was möchtest du Unternehmer*innen an die Hand geben, die sich ebenfalls dazu entscheiden, ihr unternehmerisches Handeln gemäß Purpose auszurichten?

Zunächst möchte ich da sagen: „Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung!“ Damit ist der wichtigste und vielleicht auch schwierigste Schritt geschafft. Der nächste Schritt wäre es, die Vermögensbindung sicherzustellen und damit den Weg zum Verantwortungseigentum zu ebnen. Dafür gibt es leider noch keine Rechtsform. Zum Glück stehen mittlerweile ausreichend Mittel zur Verfügung, um die Entscheidung für Purpose trotzdem langfristig abzusichern. Eine Möglichkeit ist es mit der Purpose Stiftung zusammenzuarbeiten. Sie hat sich 2015 mit dem Ziel gegründet, Unternehmen dabei zu unterstützen, durch Verantwortungseigentum dauerhaft unabhängig und sinnorientiert zu bleiben. Man kann die Stiftung mittels Satzung ins eigene Unternehmen hereinholen. Durch ein Veto-Recht sorgt sie dann dafür, dass das Unternehmen den gesetzten Prinzipien treu bleibt.

Verantwortungseigentum als neue Rechtsform

Das Ziel einer neuen Rechtsform wird auch von der Purpose-Stiftung vorangetrieben. Wenn es gelingt diese Rechtsform zu etablieren, so würde das, was wir bei WEtell machen, vielmehr zum Standard werden. Aktuell ist Purpose ein ziemliches Nischenthema. Wenn allerdings allen Gründer*innen auch eine Gesellschaft mit gebundenem Kapital als Gründungsoption zur Verfügung stehen würde, dann würden viel mehr Menschen in dieser modernen Rechtsform gründen.

„Die meisten Menschen wünschen sich eine werteorientierte Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient. Deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass sich diese Form des Wirtschaftens auch durchsetzen wird, es ist nur eine Frage der Zeit.“

Lieber Nico, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

WEtell ist ein nachhaltiger Mobilfunkanbieter aus Freiburg, GLS Kunde und hat vor Kurzem eine erfolgreiche Crowd­finanzierung über die GLS Crowd durchgeführt. Sie möchten weitere sinnstiftende Unternehmen kennenlernen oder finanzieren? Dann entdecken Sie unsere neuesten Projekte hier.

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